Wenn die Mitglieder der Sportschützen zum Werkzeug und zum Pinsel greifen, viele Farbeimer rund um das Schützenheim stehen und die eine oder andere Schleifmaschine surrt, dann wird nicht irgendein Vereinsheim renoviert, sondern ein historisches Gebäude, der alte Bahnhof in Schmidmühlen. Es gibt nicht mehr allzu viele dieser historischen Gebäude im südlichen Landkreis. So zum Beispiel in Kastl oder im südlichen Landkreis konnte das Bahnhofsgebäude in Theuern erhalten werden und dient nun als Raststation am Fünf – Flüsse – Radweg. Eine andere Nutzung hat der Bahnhof in Schmidmühlen bekommen – und das hat dem Gebäude, aber auch dem Markt gutgetan. Lange hatte es nicht gut ausgesehen um das historische Gebäude. Der Bahnhof diente einem Sägewerk als Holzlager, stand schließlich einige Jahre leer und war mehr oder weniger baufällig – der Abriss nur noch eine Frage der Zeit. Mitte der 1980er Jahre schließlich erwarb der Markt Schmidmühlen das ganze Areal von der Deutschen Bundesbahn. Genaue Pläne gab es zu diesem Zeitpunkt nicht. Nur dass das große Areal weiterentwickelt werden sollte, der Wertstoffhof hier seinen Platz findet und das alte Lagerhaus wurde in einen Bauhof umfunktioniert werden sollte. Als sich schließlich der Schützenverein um ein neues Schützenheim bemühte, rückte der historische Bahnhof in deren Fokus. Mit einem knappen Ergebnis votierte der Marktgemeinderat dafür, das baufällige Gebäude dem Verein zu überlassen. Wohl die wenigsten Bürgerinnen und Bürger trauten es dem damals eigentlich kleinen Verein zu, aus dem Gebäude etwas zu machen – noch dazu finanziell zu schultern. Doch nach fast drei Jahren hartes und beharrliches Arbeiten – Woche für Woche – vier Tage die Woche, Fleiß und Gemeinschaftssinn ließ dem Verein das fast Nichtmachbare gelingen – ein Schützenheim. Dank des kommunalen Finanzausgleichs beschritt man einen neuen Weg der Finanzierung, Fachleute im Verein koordinierten den Bau und mit Hilfe des damaligen bayerischen Wirtschaftsminister Gustl Lang flossen trotz der Wiedervereinigung die Zuschüsse, wenn auch über drei Jahre verteilt. Für die Finanzierung musste der Verein kräftig Zinsen zahlen, im zweistelligen Bereich. Für den Kredit und die Sicherheit standen die beiden Vereinsvorsitzenden gerade. Was sich im Nachhinein äußerst wagemutig und knochenhart anhört, hat die Mitglieder zusammengeschweißt. Diese „Schweißnaht“ hält auch noch mehr bald drei Jahrzehnte. Seit etwa einem viertel Jahr – nachdem die Corona – Vorschriften gelockert wurden – meistert der Verein wieder eine große Aufgabe: die Sanierung des Bahnhofsgebäudes und die komplette Umstellung der Schießanlage auf elektronische Trefferauswertung. Die Vereinsführung stellt die Weichen – passend zur Bahngeschichte – auf Zukunft. Über 30 000 Euro nimmt der Verein in die Hand, viel Geld für den Verein. Aber anders als vor 30 Jahren gibt es von vielen Seiten finanzielle Rückendeckung.

Rentiert hat sich der Umbau für den Verein allemal. Zwar ging es immer auch bergauf und bergab – aber seit einigen Jahren eigentlich immer bergauf. Immerhin zählt der Verein nach zwanzig Jahren immer noch gleich viele Mitglieder, auch wenn man zahlreiche Sterbefälle und Vereinsaustritte verkraften musste. Und die Erfolge sprechen für sich.

Immaterielles Kulturerbe

Ein Bahnhof ist seit jeher auch Treffpunkt für Menschen. Ganz in diesem Sinne arbeitet der Verein – Schießsport verbindet Menschen und Generationen, und dies mit langer Tradition. Nicht umsonst wurde den Schützen in den Deutschland eine besonderen Ehre zuteil. Am 4. Dezember 2015 nahmen die Deutsche UNESCO-Kommission und die Kultusministerkonferenz das „Schützenwesen in Deutschland“ in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes auf. In ihrer Begründung würdigen das zuständige Expertenkomitee und die Kultusministerkonferenz das Schützenwesen als „Ausdruck lokal aktiver Kulturpraxis mit lebendiger Traditionspflege, die stark in örtliche Sozial- und Kulturmilieus eingebunden ist“. Vielfältige Maßnahmen zur Weitergabe, unterschiedliche Formen der Jugendarbeit und eine aktive Pflege regionaler und europäischer Verbindungen sind Markenzeichen der Schützen. Auch die Verpflichtung gegenüber sozialem Engagement und ziviler Kultur im Umgang mit Waffentechnik und Waffengebrauch sowie der integrative Charakter wurden hervorgehoben, wie es in der Mitteilung des Deutschen Schützenbundes heißt. Diese Würdigung trifft auf die Schützen in der Lauterachtalgemeinde voll und ganz zu.  Aktuell haben die Schützen die Renovierungsarbeiten abgeschlossen. Die Arbeiten zur neuen Schießanlage haben begonnen. Diese werden noch einige Zeit dauern, bis die Schießanlage fertig sein wird, da man nur in kleinen Gruppen arbeiten kann. Im Oktober – hoffentlich – wird man die Schießanlage mit vielen Helfern und Sponsoren diese modernste Schießsportanlage im südlichen Landkreis in Betrieb nehmen können. (ajp)

Info

SG 1893: Die Tradition der Schmidmühlener Schützen reicht eigentlich bis in das Jahr 1870 zurück. Bereits damals existierte die „Feuerschützengesellschaft Schmidmühlen“, die nach dem französischen Krieg gegründet wurde. Sie gilt als Vorläufer der Schützengesellschaft Schmidmühlen, die im Herbst 1893 als „Zimmerstutzengesellschaft Schmidmühlen“ gegründet wurde.

SG Diana: Ein weiteres Kapitel der Schmidmühlener Schützengeschichte wurde am 28. November 1953 aufgeschlagen. Die Schützengesellschaft „Diana 1953“ wurde gegründet. Die Vorstandschaft setzte sich aus folgenden Männern zusammen: Erhard Dickert, Richard Loh, Erwin Fochtner, Josef Hartl, Josef Kern und Manfred Balk.

Sportschützen: Am 18. Juli 1981 schlossen sich die beiden Vereine zur Vereinigten Schützengesellschaft zusammen. 1989 starteten die Schützen mit dem Bau des Schützenheims, der einen Tag vor Dreikönig im Januar abgeschlossen wurde. Mittlerweile wurde der Verein in Sportschützen e.V. umbenannt und ist Ausrichter der Landkreismeisterschaft und des Raiffeisen – Jugendcups. (ajp)

Schmidmühlen – Sportschützen – nach mehr als einem Vierteljahrhundert „Weichenstellung für die Zukunft“ die

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